Fei scho

Es gibt da so ein uriges bayrisches Wörtchen. Fei heisst es, und die Bayern gebrauchen es so inflationär, wie sie Bierkrüge heben. Es ist nämlich nicht nur herrlich kurz, sondern ein echter Bayer kann damit auch fast alles ausdrücken, was er fühlt, denkt, weiss oder nicht weiss.

Des schmeckt fei sauguad.

Des schmeckt fei sauguad.

Eine Abtönungspartikel, würde der Duden dazu sagen. «Is mia fei wurscht, wia des hoaßt», vermutlich der Bayer. Kurzum, er hat da ein Wort in seinem Repertoire, das sich nur schwer übersetzen lässt – denn es kann so unendlich viel bedeuten.

Fei scho, zum Beispiel, ist nicht nur ein Restaurant im Münchner Szeneviertel, dessen Konzept – asiatische Köstlichkeiten in bayrischer Gemütlichkeit – im Namen der Location wiederklingt. «Fei scho» sagt der Bayer immer gerne, wenn er betonen möchte, dass etwas ganz besonders schon ist. Etwa so:

Des woaß i fei scho. Der Bayer weiss es allerdings, und zwar ausdrücklich. Es braucht auch keiner meinen, dass er es jemals nicht gewusst habe. Verteidigung, Verstärkung
An Sepp hob i fei scho gsehn. Den Joseph habe ich übrigens schon gesehen. Hinweis, Bestätigung
Des ist fei scho a Ding. Das ist allerdings allerhand. Überraschung, Staunen, Respekt
An Sempf miassma fei no kaffa. Wir müssen übrigens noch Senf besorgen. Hinweis

Lässt sich fei also mit allerdings oder übrigens übersetzen? In vielen Fällen – fast. Doch weder das eine noch das andere trifft den Nagel ganz auf den Kopf. Es fehlt die Extraportion Nachdruck, je nach Kontext eine leicht gerunzelte Stirn, ein selbstzufriedener Blick oder ein vorwurfsvoller Unterton. Eine von jenen urbayrischen Gemüts- und Bedeutungsnuancen eben, die im Lieblingswort der Bayern stets mitschwingen. Sie lassen sich einfach nicht übersetzen, sondern allenfalls umschreiben:

Des schmeckt fei sauguad. Es schmeckt wirklich gut. Verstärkung
Des lasst fei bleibm. Das darfst du nicht tun. Verbot
Des sog i fei deim Vadda. Das erzähle ich deinem Vater Drohung
Gib fei Obacht. Pass bloss auf. Bitte
Heit is fei Sonntag. Heute ist übrigens/aber doch Sonntag Hinweis
Des is fei a sauberner Bazi. Das ist aber ein ganz schöner Schlawiner. Respekt
Des is fei a greislige Britschn. Das ist ein scheussliches/bösartiges Weibsbild. Betonung

Ja, wie soll man denn da mit den Nachbarn kommunizieren, wenn man Wörter benutzt, die sich nicht in andere Sprachen übertragen lassen? Zum Beispiel mit den Schweizern, bei denen man als Bayer doch bestimmt ab und zu mal ordentlich übern Zaun schimpfen will, einfach, weil sich das für echte Bayern so gehört?

Schweizer Fondue

Da schmöckt imfall au nöd schlecht.

Einmal kurz bei den Kollegen nachgefragt – Verdacht bestätigt: Die Schweizer haben ihr eigenes fei. Da heisst es zwar imfall, funktionieren tuts aber haargenau gleich. Und schon ist das Problem gelöst: Jeder kann, wenn er denn möchte, beim anderen übern Zaun schimpfen, bitten, fluchen, betonen, drohen oder hinweisen – jeder imfall fei in seiner eigenen Sprache. Der Nachbar versteht zwar vielleicht nicht, was da geschimpft wird, aber das ist imfall auch ziemlich egal, denn meinen tun wir ja offenbar doch alle dasselbe. Also ist man seinen Nachbarn – ganz unerwartet – am Ende doch wieder einmal viel näher, als man immer so gemeint hat.

Anja Baumeister