Vom Übersetzen «unübersetzbarer» Begriffe –
Eine kleine deutsch-französische Reise

Übersetzer sind ein sonderbares Völkchen. Sie zerbrechen sich den lieben langen Tag den Kopf über Dinge, die anderen Menschen – mit Verlaub – einfach Wurst sind. Wie bitte? Haben Sie «Wurst» gesagt? Na, das ist wieder typisch Deutsch. Mein (französischer) Papa war Mathelehrer und sagte in dem Fall gerne: «Ça m’est complètement équilatéral!» «Egal» fand er wohl zu fad, zu gewöhnlich, «équilatéral», das klang natürlich ganz anders! Schön geometrisch eben.

Wortwitz lebte in der Familie. Ich behaupte sogar, dass es einige französische Begriffe gibt, die «familienintern» waren und sind. Auch Kinder sind in dieser Hinsicht grosse Erfinder wunderbarer Begriffe. So sagte neulich meine achtjährige Nichte, als sie sich in der Wanne die Haare mit ganz viel Schaum wusch: «Regarde maman, je me fais une manucure.» Etwas verdutzt guckte meine Schwester ihre Tochter fragend an. Jene antwortete sogleich: «Ben oui, quoi, une manucure de la tête!» Also – eine schöne Frisur. Herrlich, nicht? Für solche Wortschöpfungen bin ich jedenfalls immer zu haben.

Noch schlimmer, nein, noch schöner ist es, wenn man sich bildhaften Begriffen zuwendet. In letzter Zeit musste ich mir zum Beispiel mehrmals überlegen, was es nun mit dem «inneren Schweinehund» auf sich hat. Den kennen Sie ja, den kennt jeder. Nur: Es ging mir dabei nicht um das Überwinden desselben, sondern um die Übersetzung ins Französische dieses eigenartigen Begriffes. Und das ist fast genau so schwer. Denn da gibt es keine 08/15-Lösung, sondern da ist, jawohl, Kreativität gefragt! Mal heisst es «se donner un coup de pied aux fesses», mal (sogar mit Hilfe des Englischen) «se booster», manchmal auch «en mettre un coup», usw., usw. Stets kontextabhängig, natürlich. Ich liebe solche Knacknüsse!

Es gibt zu diesem Thema ein geniales Buch mit dem Titel «Kerndeutsch»*, das ein Deutsch-Professor vor gut zehn Jahren veröffentlicht hat, um französischen Muttersprachlern bzw. Studenten der Germanistik einige knifflige Begriffe zu erklären (jeweils mit Übersetzungsmöglichkeiten). Eine sehr lohnenswerte Lektüre – aber (rien n’est parfait): Schweinehund fehlt …

Fortsetzung folgt …

Cybèle Bouteiller-Schneider

 

* Kerndeutsch – Les mots allemands «intraduisibles» classés et commentés, Paul Laveau, Ellipses, 2004.