Viele Menschen, Unternehmen und Organisationen möchten sich inklusiver ausdrücken, um zu zeigen, dass sie jede Person, egal, wie diese sich identifiziert, mit ihren Texten ansprechen und willkommen heissen. Daher ist genderneutrale Sprache nicht unbedingt das gleiche wie geschlechtergerechte Sprache, sondern betont idealerweise weder die weibliche noch die männliche Form.

Geschlechtergerechte Sprache nutzt häufig Gendersternchen, Schrägstriche, Paarnennungen usw., um immer möglichst beide Geschlechter zu inkludieren. Genderneutrale Sprache kann dies auch tun, setzt aber eher auf völlig neutrale Umschreibungen, da man damit auch non-binäre Personen einschliesst. Insofern kann neutrale Sprache sogar natürlicher und flüssiger klingen – und ist vielleicht die Lösung für Sie, wenn Sie mit Sternchen und Co Ihre Probleme haben.

Was bedeutet genderneutrale Sprache?

Die gute alte Zeit 😉: Früher galt im Deutschen das generische Maskulinum quasi als genderneutral, da «alle mitgemeint» waren bei Aussagen wie «Als Arzt muss man sich für jeden Patienten Zeit nehmen». Heute wird das generische Maskulinum kontrovers gesehen, vor allem wenn wir über hypothetische oder allgemeine Menschen sprechen oder wenn ganz klar ist, dass viele Frauen zu einer Gruppe gehören («Die Lehrer freuen sich schon aufs nächste Schuljahr.»). Auch ist erwiesen, dass die meisten Menschen bei der Nennung der maskulinen Form, selbst wenn Frauen mitgemeint wären, zunächst einmal das Bild einer männlichen Person vor Augen haben. Etwa, wenn gefragt wird: «Wer ist dein Lieblingsmusiker?»

Das generische Maskulinum eignet sich also nicht dazu, «alle mitzumeinen». Natürlich ist genderneutrale Sprache auch nicht immer nötig, vor allem, wenn es um eine oder mehrere konkrete Personen geht, die sich klar männlich oder weiblich einordnen. In allen allgemeinen, unklaren oder gemischten Situationen setzt man jedoch am besten Ausdrücke ein, bei denen gar kein Genderbedarf besteht.

Exkurs: Wie zeigt sich Gender in der Sprache?

Die meisten Sprachen markieren das Genus einer Person (oder eines Gegenstands) auf irgendeine Weise – zum Beispiel in Artikeln, Pronomen, Adjektiven, Zahlenwörtern.

Dabei unterscheiden wir zwischen grammatikalischem Geschlecht (der Mond auf Deutsch ist beispielsweise maskulin, auf Französisch hingegen weiblich) und natürlichem Geschlecht (Personen oder Tiere). Manche Sprachen wie Englisch nutzen Pronomen für das natürliches Geschlecht (he, she), jedoch keine Substantivgenera (Artikel – the). Viele andere Sprachen nutzen wie das Deutsche zwei oder drei Substantivgenera, meist Maskulinum, Femininum, evtl. Neutrum. In den skandinavischen Sprachen sind es Utrum und Neutrum.

Viele Sprachen verändern auch Adjektive oder Zahlenwörter, je nachdem, welches grammatikalische und/oder natürliche Geschlecht ein Substantiv oder ein Pronomen mitbringt. Auf Deutsch wären dies beispielsweise Adjektivendungen: Die erfahrene Übersetzerin erklärt dem interessierten Kunden das Sprachproblem.»

So viel also zu verschiedenen Genusmarkern, die in der Sprache auftreten können. Welche Möglichkeiten gibt es nun für neutrales, inklusives Schreiben? Hier finden Sie Tipps!

8 Tipps für genderneutrale Formulierungen

Zunächst gilt es, Sensitivität zu entwickeln: Versuchen Sie beim Schreiben und Lesen ein Gefühl dafür zu bekommen, ob Sprache gegendert ist. Man muss sich erst daran gewöhnen, darauf zu achten. Und dann helfen Ihnen diese Tipps bestimmt, einen guten Weg für sich selbst oder für Ihr Unternehmen zu finden:

  • Partizipien im Plural: Das Partizip I ist ein guter Weg, Gender zu neutralisieren. Bekanntestes Beispiel sind hier: die Studierenden. Auch beliebt: die Teilnehmenden, die Mitarbeitenden, die Lernenden. Ebenso begegnen uns Formen des Partizip II: die Abgeordneten, die Gewählten, die Geflüchteten, die Versicherten. Bei beiden Partizip-Formen wichtig: Genderneutral sind sie nur in den Pluralformen!
  • Gruppenbezeichnungen: Hier gibt es viele Bezeichnungen, die sich von den Einzelpersonen entfernen und Genderneutralität ganz natürlich erreichen: Gäste, Bevölkerung, Profis, Publikum, Geschäftsleitung, Sales, Zielgruppe, Fans, Team und viele mehr.
  • Direkte Ansprache: Schreiben Sie in Ihren Texten doch öfter mal: «Für Sie setzen wir auf moderneste Technologien.» statt «Für unsere Kunden setzen wir auf …» Klingt aktiv und neutral zugleich.
  • Ersatzformulierungen: Oft gibt es Synonyme oder Ersatzbegriffe, die ohne Geschlechtsbezug auskommen: Gehweg statt Bürgersteig, Zigarettenpause statt Raucherpause. Die klingen doch eigentlich ganz ungekünstelt, oder?
  • Suffixe: Nutzen Sie statt Personen Begriffe mit Suffixen, die keinen Rückschluss auf das Geschlecht zulassen, wie -schaft, -kraft, -ung, -heit, -ei usw. Beispiele sind: Polizei, Lehrkräfte, Arbeitskraft, Belegschaft, Marketingleitung, Pflegeleitung, Assistenz.
  • Umschreibungen: Hier geht es entweder um Begriffe oder auch um Satzumschreibungen, mit denen sich Gender-Nennung vermeiden lässt. Bei Einzelworten beispielsweise: Fachleute/Fachperson, Wanderfans, Musikfreaks, Sprachnerds, Marketingprofis … Andernfalls umschreibt man eine Person einfach mit ihrer Kompetenz: «Dank unserer Expertise …» (statt «Dank unserer Experten …»).
  • Fiktive Personen: Wenn Sie Vorgänge oder Regeln beschreiben, bringen Sie doch auch mal Storys mit fiktiven Personen ins Spiel. Hierbei ist Gendern okay, da es sich ja um konkrete Personen handelt: «Herr Müller hat sich in den Ferien das Bein gebrochen. Er ruft in unserem Versicherungscenter an, und Frau Meier, seine Ansprechpartnerin, erklärt ihm …» Bei den fiktiven Personen lohnt es sich, Stereotypen zu vermeiden (der Chef ist immer der Mann, die Erzieherin immer die Frau, der Hilfsarbeiter immer Ausländer …).
  • Neutrale Pronomen: In den meisten Sprachen existieren mittlerweile Personalpronomen, welche von nicht-binären Menschen genutzt werden oder auch, wenn einfach nicht klar ist, um wen es sich handelt. Auf Englisch sehr eingebürgert ist das they (statt he und she). Schwedisch hat vor einiger Zeit ein drittes Personalpronomen eingeführt: hen (statt hon und han). Auf Deutsch gibt es verschiedene Optionen, etwa xier (mit den Ableitungen xies = Genitiv, xiem = Dativ, xien = Akkusativ). Noch sieht man diese Optionen nicht so häufig, aber es ist doch schön, wenn man sie kennt. Und hier noch ein ganz einfaches neutrales Pronomen: Wie wäre es mit «Alle sind eingeladen!» statt «Jeder ist eingeladen!»

Die Vorteile sind klar

Fazit: Die Vorteile einer (möglichst – es geht wohl nicht immer und überall) genderneutralen Sprache liegen auf der Hand: Sie ist sehr inklusiv und berücksichtigt – anders als Gendersternchen und Co – mehr als zwei bzw. überhaupt keine Geschlechter. So fühlen sich wirklich alle Personen angesprochen, die Ihre Texte lesen. Zudem ist sie im Grunde nicht kompliziert und viel lesefreundlicher als die Variante, bei der männliche und weibliche Formen zusammen genannt werden. Insofern tun Sie auch Menschen mit Leseschwäche oder mit nicht deutscher Muttersprache einen Gefallen.

Legen Sie Ihre unternehmensintern Ihre Regeln zum Gendern oder zur genderneutralen Sprache am besten direkt in Ihrer Corporate Language fest, dann wissen alle Schreibenden, was zu tun ist. Gerne helfen wir Ihnen dabei. Falls wir Sie zum Thema genderneutrale Sprache beraten dürfen, rufen Sie uns gerne an!

Das könnte Sie auch interessieren

Genderneutrale Sprache: Wie geht das?

Viele Menschen, Unternehmen und Organisationen möchten sich inklusiver ausdrücken, um zu zeigen, dass sie jede Person, egal, wie diese sich identifiziert, mit ihren Texten ansprechen und willkommen heissen. Daher ist genderneutrale Sprache nicht unbedingt das gleiche wie geschlechtergerechte Sprache, sondern betont idealerweise weder die weibliche noch die männliche Form. Geschlechtergerechte Sprache nutzt häufig Gendersternchen, Schrägstriche,…

Weiterlesen

Gendern auf Französisch: Ein Ziel, viele Wege

Wer meint, Gendern auf Deutsch wäre kompliziert, sollte unbedingt diesen Beitrag lesen. 😊 Beim Gendern auf Französisch gibt es nämlich auch sehr viele Möglichkeiten. Als Übersetzerin beschäftige ich mich erst seit einigen Jahren intensiv mit diesem Thema. Denn lange Zeit war das generische Maskulinum die Regel, und die weibliche Form wurde – wenn es nicht…

Weiterlesen

German gender: it’s complicated

There are certain aspects of German that really make me appreciate the simplicity of English grammar whenever I have to grapple with them. Cases, for example, are a never-ending nightmare for me, but that’s an issue for another day. One of the big difficulties I have with German as a native speaker of English is…

Weiterlesen