Tipps für eure Bewerbung bei Diction

Ein neuer Job ist wie eine neue Liebe. Und ich glaube, dass die Entscheidung, ob man mit einem Unternehmen seine Zukunft verbringen will, ganz unbewusst schon sehr früh im Bewerbungsprozess fällt. Heute möchte ich euch an meinen Erfahrungen teilhaben lassen und euch zeigen, wie die Bewerbung bei Diction im Idealfall verlaufen kann.

Die Bewerbung

Für mich stand fest: Ich werde nach Vancouver gehen, mein bisheriges Leben hinter mir lassen und damit auch meinen alten Job. Einer solchen Entscheidung stellt man sich natürlich wesentlich entspannter, wenn man eine spannende neue Stelle in der Tasche hat. Ich durchsuche also die Plattformen der gängigen internationalen Jobdienstleister, aber nichts fühlt sich richtig an. Doch dann: Editor and Proofreader for German in Vancouver. Oha! Es knistert!

Es ist ein wenig so wie dieser Moment, in dem man jemanden auf einer Party sieht und toll findet, aber nicht sicher ist, ob das auf Gegenseitigkeit beruht. Nervös kritzelt man seine Nummer auf eine Cocktailserviette und schiebt sie dem anderen verlegen lächelnd zu. Übertragen auf eine Bewerbung bedeutet das: Lebenslauf und Anschreiben erstellen und an den potenziellen Arbeitgeber senden (natürlich nicht auf einer Serviette).

Worauf kommt es an? Für die Stelle als Lektor ist eine sprachliche Ausbildung gesucht, und man sollte natürlich auch gern mit Sprache arbeiten. Im Lebenslauf setze ich den Fokus auf mein Germanistikstudium und rücke sprach- und textbezogenen Aspekte meiner Berufserfahrung in den Vordergrund. Auf Informationen zu früheren studentischen Nebenjobs in der Gastronomie verzichte ich. Wer intensiv fremdsprachig gekellnert hat, packt den Hinweis aber vielleicht mit rein.

Was ist wohl das schwierigste an einer Bewerbung bei einem Sprachdienstleister? Die Angst vor Fehlern! Hier helfen: gesunder Menschenverstand, sprachliches Wissen und natürlich die Rechtschreibkorrektur von Word. Ihr wisst, wie das geht, nicht wahr?

Überprüfen -> Sprache festlegen -> Rechtschreibung und Grammatik

Bewerbung Word Rechtschreibung

Es versteht sich von selbst, dass man die Namen der Gesprächspartner und der Firma korrekt schreibt und dass auch die Stellenbezeichnung dem Inserat entsprechen sollte. Wer sich schwer tut mit den Formalien – es gibt Hunderte von Ratgebern, die helfen.

Die Probearbeit

Hat meine Bewerbung Interesse geweckt? Das Warten ist nervenaufreibend. Aber dann kommt sie, die Rückmeldung (fast wie eine erste SMS nach der Party, Herzklopfen!). Man bittet mich, eine Probearbeit zu leisten: unter anderem eine Liste von losen Sätzen, bei denen ich «so wenig wie möglich und so viel wie nötig» korrigieren soll. Die Palette reicht vom simplen Kommafehler bis hin zu sprachlichen Stolpersteinen. Was würdet ihr zum Beispiel an folgenden Sätzen korrigieren?

  • Auf was dürfen sich die Passagiere freuen?
  • Das schwankt zwischen 20 bis 30 Stunden pro Monat.
  • Um den Kunden zufriedenzustellen gaben Sie ihr Bestes.

Alle Änderungen nehme ich direkt im Worddokument vor, mit aktivierter Option «Änderungen nachverfolgen». Kennt ihr auch, oder?

Überprüfen -> Änderungen nachverfolgen

Aber wo ist die Grenze zwischen «möglich» und «nötig»? Nötig sind eindeutig grammatikalische und orthografische Fehler (übrigens: «orthografisch» mit f ist tatsächlich die Dudenempfehlung, wie ich inzwischen weiss). Zur Kategorie «möglich» zählen stilistische Umformulierungen. Die Grenzen sind natürlich immer ein wenig subjektiv. Wie weit darf ich gehen? Genau wie bei der ersten SMS nach dem Partyflirt ist das hier noch nicht ganz klar …

Das Skype-Interview

Mit meiner Probearbeit habe ich einiges richtig gemacht, denn ich werde zum Skype-Interview eingeladen. Zu diesem ersten Date empfängt mich gut gelaunt die Leiterin Sprachen, und aus geplanten 30 Minuten werden interessante und aufregende 90 Minuten. Ich erfahre viel über Diction, erzähle einiges von mir. Wie das eben so ist beim Kennenlernen, wenn man das Gefühl hat, es könnte etwas werden. Tipp: Zeigt euch natürlich von der besten Seite, aber verstellt euch nicht, auch im Eigeninteresse. Ihr wollt ja schliesslich einen Job, in dem ihr euch tatsächlich wohlfühlt.

Der Probehalbtag

Das erste Date war gut. Was nun? Melde ich mich zuerst oder warte ich? Ich gedulde mich und werde belohnt: Das neue Jahr beginnt für mich mit einer Einladung zum Probehalbtag nach Buchs, SG, und mit einem Mal sitze ich schon im Zug in die Schweiz und wenig später neben der Teamleiterin, die mich durch den Probehalbtag begleitet. Meine Aufgaben: ein Abgleich und ein Lektorat. Hm, Abgleich? Noch nie gehört. Ich erfahre: Ein Abgleich ist die Qualitätsprüfung einer Übersetzung. Wurde der Originaltext wirklich überall richtig interpretiert? Ist die Übersetzung sprachlich sauber? Sind die Formulierungen idiomatisch korrekt?

Ich mache mich ans Werk und wälze mich zunächst mal durch die internen Sprachrichtlinien von Diction. Für jeden Kunde gibt es einen Styleguide mit allen sprachlichen Eigen- und Besonderheiten. Dazu natürlich den Duden und das gerade für die Schweiz sehr wichtige Werk «Richtiges Deutsch» von Walter Heuer. Das alles ist am Probehalbtag natürlich ziemlich überwältigend. Wenn ich unsicher bin, frage ich also einfach und bekomme auf jede noch so (subjektiv betrachtet) dumme Frage eine Antwort. Ich werde sozusagen ins kalte Wasser geworfen, aber mit Neoprenanzug.

Am Ende des Probehalbtags dann das Interview mit dem Geschäftsführer. Der nächste kalte See wartet also schon auf mich. Aber auch dort friere ich nicht, wir klären ganz ungezwungen unsere gegenseitigen Fragen. Auf dem Weg zum Bahnhof unterdrücke ich einen Freudensprung, denn noch ist nichts sicher. Aber wie gesagt: Man spürt, wenn etwas gut ist.

Der Anruf

Wenige Tage später. Das Handy muckst, Anruf von der Diction-Personalabteilung. «Lass es klingeln. Zeig, dass du nicht so leicht zu haben bist, bleib cool!», denke ich. Und nehme noch vor dem zweiten Klingeln ab. Binnen weniger Minuten hat sich mein Leben verändert. Und jetzt sitze ich hier als richtiger Dictionianer vor dem Rechner, jongliere Dudenempfehlungen und Glossareinträge, recherchiere Fakten, diskutiere fiese Fehler mit meinem Team, telefoniere hin und wieder mit netten Kunden, die Fragen hatten – als hätte ich nie etwas anderes gemacht.

Wenn ihr das auch erleben möchtet, dann schaut doch einfach mal auf unsere Jobseite. Vielleicht ist ja eine Stelle dabei, bei der es euch in den Fingerspitzen kribbelt?

Tilo Voltz