Tipps zum korrekten Gendern

So oder ähnlich könnte er aussehen, der Versuch der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Sprache (das sogenannte Gendern). Die Betonung liegt hier auf Versuch. Was gut gemeint ist, sieht schnell aus wie Kraut und Rüben – oder wie eine ziemliche Wurstelei. Dabei ist richtig gendern keine Hexerei, sofern man die Möglichkeiten und auch die Grenzen kennt.

Aber weshalb überhaupt die Mühe beim Gendern?

Unsere moderne Gesellschaft, in der sich das Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau längst von einer Forderung zum Gesetzesartikel entwickelt hat, verlangt zunehmend nach einer stärkeren Umsetzung dieser Gleichberechtigung – nicht zuletzt auch durch deren Sichtbarmachung in der Sprache. Während das Gendern in vielen Bereichen, etwa im öffentlichen Schriftverkehr, in der Politik oder in sozialwissenschaftlichen Kreisen, bereits weitestgehend zum Alltag gehört, wird in anderen Bereichen ebenso häufig darauf verzichtet. Nach wie vor spricht jedes zweite Wettbewerb-Kleingedruckte ausschliesslich von Teilnehmern, jeder eineinhalbte Newsletter lediglich von Mitarbeitern und der Volksmund von guten oder schlechten Ärzten statt von Ärztinnen und Ärzten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, zumal unsere Sprache von jeher maskulin geprägt ist – wir sind es (noch) nicht gewohnt, die feminine Form in gleichem Masse zu berücksichtigen wie die maskuline. Richtig gendern bedeutet daher zunächst einen zusätzlichen Aufwand und das Suchen nach einer passenden Lösung, denn, so der Duden[1], es gibt hier keine strenge Norm im Sinne einer offiziell gültigen Rechtschreibung. «Richtig» ist laut Duden hier vielmehr als «situationsgemäss» zu verstehen.

Wenn man jedoch ein paar Regeln folgt, ist richtig gendern nicht schwer. Wer sich gerne umfassender mit dem Thema beschäftigen möchte, dem sei das brandneue Duden-Buch «Richtig gendern» sehr ans Herz gelegt. An dieser Stelle beschränken wir uns auf einige grundsätzliche Aspekte, auf eine Art Anleitung zur Selbsthilfe, wenn es mal schnell gehen muss.

Varianten beim Gendern

Es gibt verschiedene mögliche Varianten, die sprachliche Gleichstellung umzusetzen. Folgende Varianten sind gemäss Duden korrekt und empfohlen:

Wurstfachverkäufer und Wurstfachverkäuferin
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Doppelnennung
Höflichste und eindeutigste Variante; sollte vor allem in der persönlichen Anrede (Briefe, E-Mails, Kundenschreiben usw.) verwendet werden.
Wurstfachverkäufer/Wurstfachverkäuferin
Mitarbeiterin/Mitarbeiter
Schrägstrich
Gibt mehrere gleichberechtigte Möglichkeiten an, erzeugt jedoch noch keine nennenswerte Kürzung.
Wurstfachverkäufer/-in
Mitarbeiter/-innen
Splitting (Schrägstrich + Ergänzungs-bindestrich + Endung)
Funktioniert bei allen Wörtern, die sich nur durch die Endung unterscheiden. Voraussetzung: Es soll ein grammatisch korrektes, leicht lesbares Wort entstehen, wenn der Schrägstrich weggelassen wird.
Wurstfachverkäufer(in)
Mitarbeiter(inn)en
Klammern
Es können Wortteile am Wortende oder auch im Wortinneren eingeklammert werden, solange bei Weglassen der Klammern ein korrektes Wort entsteht.
Wurstfachverkäufer (w/m)
Kinderarzt (m/w)
Klammern mit Zusatz (m/w) bzw. (w/m)
Diese Variante ist vor allem in Stellenanzeigen oder im institutionellen Schriftverkehr gebräuchlich

Folgende Varianten sind zwar geduldet, jedoch stilistisch unsauber oder sprachlich fragwürdig und daher nach nicht zu empfehlen:

 ?  WurstfachverkäuferInnen
 ?  MitarbeiterInnen
Binnen-I
In bestimmten Kontexten gebräuchlich, aber ebenso häufig abgelehnt. Grund: Die gültigen Rechtschreibregeln sehen eine Grossschreibung im Wortinnern nicht vor – daher ist von dieser Variante abzuraten.
 ?  Wurstfachverkäufern/-innen
 ?  Kollegen/-innen
 ?  des/der Wurstfachverkäufers/-in
Splitting bei separater maskuliner Endung
Wortpaare, bei denen auch die maskuline Form eine eigene Endung aufweist, sollten nicht mit Schrägstrich verkürzt werden.
 ?  Jede/-r Wurstfachverkäufer/-in
 ?  Jede(r) Wurstfachverkäufer(in)
Gemischte Platzierung der Endungen
Splitting sollte vermieden werden, wenn die feminine und die maskuline Form nicht einheitlich vor bzw. nach dem Schrägstrich oder innerhalb bzw. ausserhalb der Klammer steht, da dies für den Leser schwer aufzulösen ist. In solchen Fällen kann gegebenenfalls auf den Plural ausgewichen werden: alle Wurstfachverkäufer/-innen
alle Wurstfachverkäufer(innen)
 ?  gute Korrespondenten (-innen)
 ?  guten Schreibern (-innen)
 ?  ein(e) gute(r) Korrespondent(in)
 ?  eine(n) gute(n) Korrespondenten (-in)
 ?  ein(e) gute(r) Schreiber(in)
 ?  ein/-e gute/-r Korrespondent/-in
 ?  eine/-n gute/-n Korrespondenten/-in
 ?  ein/-e gute/-r Schreiber/-in
Weitere im Zweifelsfall erlaubte jedoch nicht empfohlene Beispiele
 ? Wurstfachverkäufer*innen
 ? Wurstfachverkäufer_innen
Asterisk (auch «Gender-Star») und Unterstrich
Diese beiden Varianten finden vor allem im universitären und im sozialwissenschaftlichen Umfeld zunehmend Verwendung und sind gemäss Duden besonders in Kontexten gebräuchlich, in denen die Geschlechtsidentifikation aufgrund der aktuellen Transgender- und Intersexualitätsdebatten über das binäre System hinausgeht. Mit diesen beiden Varianten soll zudem «bewusst irritiert und die Möglichkeit weiterer Kategorien angegeben werden».[1]

Folgende Varianten sind nicht korrekt:

Wurstfachverkäufer/-inn/-en
Kolleg/-inn/-en
Splitting mit zwei Schrägstichen
A(ä)rzt/-in
Ba(ä)uer(in)
Splitting oder Klammersetzung bei Wortpaaren, bei denen sich ein Vokal ändert

Ausweichmöglichkeiten

Es gibt viele mögliche Varianten der Sichtbarmachung beider Geschlechter in der Sprache. Die oben genannten Beispiele sind keine abschliessende Liste aller denkbaren Möglichkeiten. Dennoch stösst man besonders bei der Verwendung von Schrägstrich oder Klammern schnell an die Grenzen des Lesbaren, und es sind Alternativen gefragt. In vielen Fällen können ein Ausweichen auf Pluralformen, das Substantivieren von Adjektiven oder Partizipien, die Verwendung von Abstrakta statt Personenbezeichnungen oder der Einsatz von Adjektiven weiterhelfen. Gelegentlich lässt sich auch mit der Bildung von Relativsätzen behelfen:

Studierende statt: Studentinnen und Studenten Substantiviertes Partizip
Lehrende statt: Lehrer und Lehrerinnen Substantiviertes Partizip
Leitung statt: Leiter und Leiterinnen Abstraktum
Professur statt: Professoren und Professorinnen Abstraktum
ärztlicher Rat statt: Rat der Ärztin oder des Arztes Adjektiv
Wer einen Mord begeht, wird bestraft statt: Mörderinnen und Mörder werden bestraft Relativsatz
Personen, die einen Antrag stellen statt: Antragsteller und Antragstellerinnen Relativsatz

Und wenn wirklich einmal keine passende Lösung gefunden werden kann, ist es (in den meisten Kontexten) nach wie vor erlaubt, korrekt und akzeptiert, zu sagen: Ich verwende nur die maskuline Form – mir doch wurst.

Wiener Wurst Gendern

Fragen zum Gendern? Immer für eine Antwort parat: die Diction-Hotline unter +41 81 750 53 33

Anja Baumeister

[1] Diewald und Steinhauer (2017): Duden: Richtig gendern. Verlag Biographisches Institut GmbH.