CAT-Tools: Wie funktioniert maschinengestützte Übersetzung?

Nein, CAT-Tools haben (leider) nichts mit Katzen zu tun (auch wenn der Autor in seiner Eigenschaft als CAT-Tools-Experte tatsächlich schon Anfragen als Katzentrainer erhalten hat). CAT steht für «computer aided translation», zu Deutsch maschinengestützte Übersetzung. Vereinfacht ausgedrückt sind CAT-Tools also Computerprogramme, die den Übersetzer bei seiner Arbeit unterstützen. Mit maschineller Übersetzung hängt das nur indirekt zusammen, da hier keine Übersetzung automatisch produziert wird.

Kernstück der CAT-Tools sind die Übersetzungsspeicher

Insider sprechen hier von TMs (ebenfalls aus dem Englischen «translation memories»). Darunter kann man sich Datenbanken vorstellen, die die Sätze beim Übersetzen oder beim Korrigieren der Übersetzung abspeichern. Und zwar paarweise, da man ausgehend vom Ausgangssatz den Zielsatz finden möchte. Und satzweise, da man nicht einzelne Wörter isoliert übersetzen kann sondern immer in einem bestimmten Kontext.

Hier ein einfaches Beispiel eines Satzes im TM:

Zweck dieser Übersetzungsspeicher ist es, automatisch nach Sätzen zu suchen, die schon einmal in die andere Sprache übertragen wurden: vor einem Jahr, einem Monat oder vor einer Minute. Ist der Satz identisch mit einem Treffer im TM, dann wird dies angezeigt (Ähnlichkeit: 100 %):

CAT-Tools finden auch ähnliche Sätze

Also solche, bei denen ein Teil anders ist oder fehlt. In diesem Fall wird die Ähnlichkeit mit einem Wert markiert (im folgenden Beispiel: 89 %). Die Wörter, die den Unterschied ausmachen, werden unterstrichen und farblich hervorgehoben.

Vorsicht, Falle: CAT-Tools ersetzen nicht den Übersetzer

Manchmal ist auch eine 100%-prozentige Übereinstimmung falsch. Angenommen in einem neuen Text geht es nun um einen schwarzen Hund, dann könnte sich folgende Situation ergeben:

In diesem Fall ist die vorgeschlagene Übersetzung mit «Sie» nicht korrekt, da das sprachliche Umfeld anders ist. Die Entscheidung, ob die vorgeschlagene Übersetzung überhaupt stimmt und keine «falschen» Teile enthält, liegt also beim Übersetzer. Das heisst, kein Text kann einfach unbeaufsichtigt durch das CAT-Tool gejagt werden.

Mit CAT-Tools wird auch die Terminologie verwaltet

Die Verwaltung der Terminologie ist ein zweiter wichtiger Bereich dieser Übersetzungsumgebungen. Gemeint sind Glossare, die aufgrund der Datenmenge oft auch als Termbanken bezeichnet werden. In diesen werden spezifische Begriffe mit Zusatzinformationen hinterlegt. Anders als bei den Satzspeichern geht es hier nicht mehr um ganze Sätze, sondern um wichtige Begriffe (Namen, Marken, produktspezifische Merkmale usw.). Und im Unterschied zu den Satzspeichern, die automatisch beim Übersetzen weiter befüllt werden, ist Terminologie Handarbeit. Die kann im Voraus erfolgen – zum Beispiel bei der Vorbereitung eines Übersetzungsauftrags oder direkt beim Übersetzen oder Korrigieren der Texte. Darüber hinaus sind in Termbanken meist weitere Informationen zu den Benennungen hinterlegt: zum Beispiel eine kurze Beschreibung, die den Begriff erklärt, oder Kontextbeispiele, die zeigen, wie das Wort verwendet wird. Oder auch Informationen über die Gültigkeit: Ist eine Benennung neu und noch ungeprüft? Ist sie vom Kunden freigegeben oder vielleicht abgelehnt worden und soll nicht mehr verwendet werden?

Auch in diesem Fall werden beim Übersetzen die im aktuellen Satz vorhandenen Wörter automatisch nachgeschlagen und angezeigt, hier im Beispiel im Fenster oben rechts:

So ist klar ersichtlich, wie ein bestimmtes Wort übersetzt werden soll. Gleichzeitig können Benennungen mit wichtigen Informationen hinterlegt werden, damit alle Übersetzer und Korrektoren die richtigen terminologischen Entscheidungen treffen.

Satzdatenbanken und Terminologieverwaltung schliessen sich gegenseitig nicht aus, sondern ergänzen einander. Denn einerseits kann für neue Übersetzungen, für die es nur eine teilweise Übereinstimmung in der Satzdatenbank gibt, in der Termbank das «fehlende Puzzlestück» gefunden oder überprüft werden, und andererseits kann man in der Terminologie Zusatzinformationen abspeichern, die bei der richtigen Wahl der Übersetzung entscheidend sein können. Zum Beispiel auf welches Produkt sich eine Benennung bezieht, ob sie noch gültig ist oder nicht und vieles mehr.

Zeit und Ressourcen sparen

CAT-Tools als Übersetzungshilfen sorgen also dafür, dass Texte einheitlicher sind und exakt den Kundenvorgaben entsprechen: Jedes Feedback halten wir so fest, dass die Informationen bei künftigen Aufträgen berücksichtigt werden. So sparen Kunden Zeit und Ressourcen bei der Beantwortung von Rückfragen oder beim Korrigieren von Texten.

Bruno Ciola, Verantwortlicher Terminologie