Zwischen Halbwüste und Hochgebirge: Einmal den Kaukasus durchquert

Wieder einmal hat es mich diesen Frühling in den Osten verschlagen. Diesmal ging es einmal quer durch den Kaukasus. Am Ende der deutschen Version könnt ihr den Blog auch auf Russisch lesen.

Russland – «Goldener Ring» und Tag des Sieges

Traditioneller und funktioneller Ausgangspunkt meiner Reise in den Kaukasus war die Stadt bzw. das Gebiet Moskau. Der Start meiner Reise fiel zudem auf den 9. Mai, der in Russland als «Tag des Sieges» über Hitlerdeutschland immer noch gross gefeiert wird. In jeder russischen Stadt findet eine Parade statt, und sogar im Städtchen Susdal am Goldenen Ring (einem der bekanntesten Reiseziele in Russland, er bezeichnet insgesamt 10 Städte, inklusive Moskau, die einen überaus reiche altrussische Kulturschätze zu bieten haben) mit ein paar tausend Einwohnern schaffte man es, zwei Panzer und ein wenig schwere Artillerie hervorzukramen. Es muss schliesslich auch nicht immer die Parade in der Hauptstadt sein, für die übrigens bereits Tage zuvor Schlechtwetterwolken von Flugzeugen «verscheucht»  werden (kein Witz!). Zudem gibt es fast überall Umzüge des sogenannten «unsterblichen Heeres», bei denen die Nachkommen von im Krieg Gefallenen mit Fotos ihrer verstorbenen Soldaten durch die Strassen ziehen und ihnen so den Tribut zollen.

Quelle: Wikipedia

Die Maifeiertage rund um den Tag des Sieges dauern für die meisten Russen ca. eine Woche, die hauptsächlich mit Familienbesuchen und Aufenthalten auf der eigenen Datscha (eine Art rudimentäres Wochenendhaus) verbracht werden. Genau das hab ich natürlich gemacht, und zwar bei meinen Freunden in der Kleinstadt Sergiev Posad (ebenfalls mit seinem UNESCO-gelisteten Kloster, einem Schmuckstück des Goldenen Rings). Dort haben wir dann fleissig Schaschlik gegrillt.

Aserbaidschan – Jahrtausendealte Geschichte, Gastfreundschaft oder «was machen Sie hier eigentlich?»

Von Moskau ging es per Direktflug weiter nach Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Das Land ist von der Fläche und Einwohnerzahl ungefähr mit Österreich vergleichbar und lebt grossteils von der Erdölförderung. Eine gute Bekannte von mir, die ich besuchen wollte, lebt in Gəncə (sprich «Gendscha») im Westen des Landes. Vorher durfte jedoch ein Abstecher in die Hauptstadt nicht fehlen, die den meisten höchstens als Austragungsort des Eurovision Song Contest ein Begriff ist. Die Stadt ist geprägt von Gegensätzen: das Wahrzeichen, die Flame Towers (siehe Bild) einerseits, die Altstadt, wo einige Gebäude bis zum 6. Jahrhundert zurückgehen andererseits. Anders, als man in einem muslimisch geprägten Land erwarten würde, ist sind Kopftuch- und Burkaträgerinnen auf den Strassen nicht zu sehen. Religion und Staat sind nämlich hier streng getrennt, und viele Aserbaidschaner sind ohnehin Atheisten (ein Überbleibsel der Sowjetzeit). Einige schöne Moscheen gibt es natürlich trotzdem, zum Beispiel die schöne Freitagsmoschee in der Innenstadt von Baku. Ein paar Touristen finden sich zwar im Zentrum der Stadt, aber ansonsten ist man hier mit blasser Haut, blauen Augen und ohne Reisegruppe relativ auffällig. Wahrscheinlich deshalb wurde ich nach einem sehr herzlichen Empfang im Hotel dann auch gefragt, was um alles in der Welt mich denn nach Aserbaidschan verschlagen hätte :-). Überhaupt ist man in der Kaukasus-Region unglaublich gastfreundlich. Ein Sprichwort besagt nämlich, dass man einen Fremden bei sich ausnehmen muss und erst am dritten Tag fragen darf, was er denn eigentlich wolle. So wurde ich zum Beispiel beim kurzen Innehalten vor einem historischen Gebäude, einem Badehaus, sofort eingeladen, mir das (private) architektonische Kunstwerk von innen anzusehen – und dabei nahm man auch keinen Anstoss daran, dass ich als Frau in den Herren-Badetag platzte. Im Gegenteil, es wurde – bei Tee und wieder dem obligatorischen Schaschlik – viel gefragt und noch viel mehr erzählt.

Nach Baku stand ein kurzer Ausflug in den Südosten der Absheron-Halbinsel an (wo sich auch Baku befindet). Genauer gesagt ging es in das UNESCO-Naturreservat Gobustan, zum Feuertempel Ateschgah (die weltweit grösste Pilgerstätte des Zoroastrismus, eine Religion, in der Feuer als heilig verehrt und angebetet wird) und nach Yanar Dag, wo Gas unter hohem Druck an die Erdoberfläche gelangt und sich in einem bemerkenswerten Naturschauspiel sofort entzündet.

Anschliessend reiste ich also weiter nach Gəncə, wo ich bereits von der ganzen Familie meiner Freundin erwartet wurde. Es versteht sich von selbst, dass ich sogleich jedem vorgestellt und überall bekocht wurde. Kulinarisch besonders hervorzuheben sind dabei Dolma (gefüllte Weinblätter, die in der gesamten Region verbreitet sind) und Kətə (ein zusammengeklappter Teigfladen mit Frischkäse und Kräutern gefüllt). Die Bitten meiner «Gastfamilie», ich solle doch zumindest noch ein paar Wochen bleiben, musste ich leider dankend ausschlagen (auch mit Rücksicht auf die beinahe platzenden Hosennähte), da nach wenigen Tagen schon die Weiterreise nach Tbilisi (Tiflis) geplant war.

Georgien – Hochgebirge, Geschmacksexplosionen und eindrucksvolle Tänze

Nach einer ca. fünfstündigen Busfahrt kam ich in der georgischen Hauptstadt Tiflis an. Der Fahrer musste unterwegs erstaunlicherweise nur einmal nach dem Weg fragen. Aserbaidschaner, Georgier und Armenier kommunizieren hauptsächlich auf Russisch miteinander (zumindest Aserbaidschaner mit Georgiern und diese mit Armeniern, da zwischen Armenien und Aserbaidschan nach dem Konflikt um Berg-Karabach Funkstille herrscht). Denn alle drei Sprachen haben nicht nur völlig verschiedene Laut- und Schriftsysteme, sondern sie gehören auch zu unterschiedlichen Sprachfamilien. So ist Aserbaidschanisch ist eine Turksprache (sehr ähnlich dem Türkischen), Armenisch eine indoeuropäische und Georgisch eine kaukasische Sprache.

Von der belebten Metropole Tiflis ging die Reise zunächst weiter über die georgische Militärstrasse, die Georgien mit Russland verbindet, Richtung Norden nach Stepanzminda, wo wir eine Wanderung zum Kloster Gergeti (siehe Bild) machten und auch noch einen Blick auf den höchsten Berg Georgiens, den Berg Kasbegi mit über 5000 Metern Höhe erhaschten. Während man in Tiflis noch bei fast 30 Grad schwitzte, war man doch in dieser Region bei 10 Grad um einen Wollpullover froh.

Am Tag darauf ging es nochmals Richtung Süden in die zweitgrösste Stadt Georgiens, nach Kutaissi, das als Zwischenstation auf dem Weg in die Provinz Swanetien fungierte. Die im Nordwesten des Landes gelegene Gebirgsregion hat sich seine ureigene Kultur und auch Sprache erhalten, für Einheimische aus anderen Regionen ist sie nahezu unverständlich. In einigen Orten, so wie in der Provinzhauptstadt Mestia zeugen jahrhundertealte Wehrtürme (siehe Bild) aus Holz noch von der Zeit, als die Menschen in der Region in Clans zusammenlebten und Angriffe von verfeindeten Familien an der Tagesordnung waren. Ebenso hat Swanetien, wie auch alle übrigen Regionen in Georgien seine eigenen Trachten und Tänze. Besonders die traditionellen Tänze, die manchmal sogar an Kriegsgebaren erinnern (die Tänzer vollführen Kunststücke mit Säbeln und Schwertern), haben in Georgien eine tief verwurzelte Tradition. Und auch essenstechnisch kommt jeder interessierte Besucher voll auf seine Kosten! Praktisch in jedem Gericht werden sehr starke Aromen verarbeitet. Besonders zu empfehlen: gebratene Auberginenstreifen mit einer Füllung aus Walnusspaste.

Auf dem Rückweg Richtung Südosten nach Tiflis wurde dann ein kurzer Stopp am georgischen Grenzposten an der Grenze zu Abchasien eingelegt. Dies ist eine Krisenregion, die als unabhängiges Land existieren möchte, jedoch von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt wird. Georgier dürfen das «Niemandsland» (ca. 300 Meter zwischen dem georgischen und dem abchasischen Grenzposten) nicht betreten und auch nicht nach Abchasien einreisen, obwohl viele dort noch Familie haben. Ausländern wird ebenfalls nicht empfohlen, sich dort aufzuhalten, daher blieb es bei einem kurzen Innehalten.

Bald ging auch schon wieder der Flieger aus Tiflis Richtung Heimat, und mit dabei war ein Koffer voller bewegender Erinnerungen. Für Abenteuerlustige ist die Reisedestination Kaukasus auf jeden Fall genau das Richtige, in diesem Sinne: Auf die Plätze, fertig, LOS!

Aber wir sind noch nicht ganz am Ende. Eigentlich habe ich diesen Blog im Kopf ja auf Russisch «gedacht», daher hier meine Reiseabenteuer alle noch mal auf Russisch. Viel Vergnügen!

Транскавказское приключение

И в этом году меня снова потянуло на Восток  ̶  в этот раз в Азербайджан и Грузию. Исходной точкой поездки по традиции стала Москва, как же иначе на день Победы! «Российский» этап моего трехнедельного путешествия проходил в таких городах Золотого Кольца, как Суздаль и Сергиев Посад, где находится дача моих московских друзей. Само собой разумеется, что на майских праздниках мы были заняты не только посещением в Свято-Троицкой Сергиевой Лавры, но и приготовлением шашлыка на костре и просмотром парада и фейерверка.

В дальнейших планах был визит к моей подруге в город Гянджа, в западном Азербайджане, который располагается в трех часах езды от границы с Грузией. Но по пути туда я просто не могла не остановиться в столице страны ‒ Баку. Город славится своим историческим центром и восточной атмосферой. Все-таки чувствуется, что мы в Азии. Туристов здесь немного ‒ европейцы сюда еще не добрались. Центральные здания и городская стена IX века нашей эры, колоритная музыка, чай с мятой в традиционной посуде – все это создает ощущение сказок «1001 ночи». Современные небоскребы, как, например, известные «Пламенные башни», которые многие еще помнят с «Евровидения», создают яркий контраст. Одним словом, Баку – это город на перекрестке Азии и Европы, что-то между Дубаем и Парижем, как часто пишут в путеводителях.

После того как вежливый таксист меня не только отвез на автовокзал, но и купил билет и проводил до автобуса (тут не так легко во всем разобраться!), я поехала из Баку в Гянджу, второй город в Азербайджане. Трудно описать, какой теплый прием меня ожидал в семье мой подруги! Меня не только угощали редкими, местными деликатесами, как будто меня до этого месяц голодом морили (особенно запомнилась «Кете», большая, тонкая выпечка с сыром и зеленью, приготовленная на костре), но и сразу стали называть «дочкой». Все это к теме гостеприимства на Кавказе.

Скрепя сердце я с семьей моей подруги продолжила свое путешествие на северо-запад, в Тбилиси. На маршрутном такси туда можно добраться всего за 3‒4 часа. Трудно сказать, какой город более привлекательный, Баку или Тбилиси. Оба они очаровывают посетителя своеобразной атмосферой, хотя есть и много общего. Например, открытость людей и невероятная красота старинной архитектуры.

Грузия – страна контрастов. Это сразу бросается в глаза. В этой маленькой стране можно многое: купаться в море, покорять вершину высотой более 5000 метров, дегустировать изысканные вина, наслаждаться уникальной процедурой хамама и изучать места культурного наследия. К тому же, каждый регион славится своей кухней, свом диалектом, a главное – своим стилем танца. Если вы будете в Грузии, обязательно посмотрите традиционные танцы ‒ не пожалеете! Из достопримечательностей я особенно рекомендую религиозный центр страны Мцхета и регион Сванетия, на севере страны. Именно в Сванетии находятся самые высокие горные хребты и уникальные ландшафты. В региональной столице Местиа и, в частности, в поселке Ушгули местные жители сохранили традиционный уклад жизни до наших дней.

Таким образом, всем путешественникам-любителям желаю ярких впечатлений и очень рекомендую посетить Кавказ. Такое путешествие запомнится навсегда!

Birgit von der Thannen