Im Magazin Nr. 6 gibt es einen tollen Beitrag zu unserem Intensivtraining Post-Editing, das wir mit unserem Bildungspartner ZHAW für Diction-Mitarbeitende organisieren. Lesen Sie hier den Artikel noch einmal als Blog.

Blog_Auszug aus Magazin6_Post-Editing

Post-Editing oder Post-Apokalypse? – Hat etwa der übersetzerische Weltuntergang begonnen? Sind die Maschinen schon unter uns? Das ja, aber eigentlich sind sie ganz zahm. Im Gegensatz zur eigentlichen (Halb-)Apokalypse 2020 – der Coronakrise. Aber auch von der lassen wir uns nicht unterkriegen. Trotz Lockdown haben wir uns zum Beispiel im Mai ganz frech nach ISO 18587 fürs Post-Editing zertifizieren lassen.

Warum uns das so wichtig war? Post-Editing ist ein noch relativ neuer Service. Oft ist weder dem Kunden noch dem Sprachdienstleister richtig klar, was dabei gefordert ist. Solche Ungewissheiten sind natürlich ein Graus für notorische Tüpflischiisser wie uns. Die Kunden sollen sichergehen dürfen, dass wir uns (mindestens) an den in der Norm festgelegten Leistungskatalog halten. ISO 18587 legt übrigens auch fest, dass wir nur qualifizierte Übersetzer einsetzen, die sich auf diesem Gebiet weiterbilden und über die Technologie der maschinellen Übersetzung (auch «Machine-Translation» oder «MT» genannt) Bescheid wissen. Von diesen Weiterbildungen haben unsere Post-Editoren schon einige absolviert. Die Krönung ist aber ein Intensivtraining, das Diction gemeinsam mit dem IUED Institut für Übersetzen und Dolmetschen der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entwickelt hat.

Diction und die ZHAW: Hier die Praxis, dort die Forschung

Diction und die ZHAW sind schon seit mehreren Jahren Bildungspartner. Warum? Raten Sie mal, wo 80 Prozent der Dictionianer studiert haben? Künftige Übersetzungsprofis möchten wir natürlich unterstützen. Daher vergeben wir seit 2015 jedes Jahr zwei Stipendien für ZHAW-Studierende aus dem Bachelorstudiengang Angewandte Sprachen, die sich besonders für den Bereich Übersetzung interessieren. Und auch sonst stehen wir in regem wissenschaftlichen Austausch.

Was könnte effektiver sein: Als führende Übersetzungsagentur setzen wir uns mit der aktuellen Forschung auseinander und realisieren dadurch innovative Lösungen für unsere Kunden. Über unsere Praxis erhalten wir wiederum Anstösse aus dem Markt, die auch die ZHAW-Forschung interessieren könnte.

Übrigens: Was ist Post-Editing?

Unter Post-Editing versteht man die Prüfung eines maschinell übersetzten Textes durch eine Fachperson. Dabei gibt es verschiedene Korrekturniveaus. Beim Full Post-Editing wird der maschinelle Output so editiert, dass sich das Resultat qualitativ einer Humanübersetzung annähert. Beim Light Post-Editing hingegen ist das Ziel ein verständlicher und inhaltlich korrekter Text, ohne Ansprüche hinsichtlich Stil. Diction ist gemäss ISO 18587 für Post-Editing zertifiziert und hält sich somit mindestens an die Vorgaben dieser Norm.

Aber zurück zum Intensivtraining Post-Editing! Worum gehts?

Durch neue Technologien hat sich die Qualität der maschinellen Übersetzung spürbar verbessert, und heute wird sie in vielen Bereichen erfolgreich eingesetzt. Doch was steckt hinter den MT-Systemen? Das wird im Webinar detailliert geklärt! Was noch?

Blog_AuszugMagazin6_Spickzettel_Webinar Post-Editing

Maschinen haben Lieblingsfehler: Eine Post-Editorin muss genau wissen, welche das sind. Da wären zum Beispiel: falsche Gross- und Kleinschreibung, inkorrektes Geschlecht, falsche Zeichensetzung, fehlende Artikel, Uneinheitlichkeit. Auch lässt die Maschine skandalöserweise ganz gerne einmal Textsegmente unübersetzt. Warum, Maschine, warum? Vielleicht werden wir es nie erfahren. Und manchmal kommt es vor, dass die Maschine etwas völlig missversteht und eine inhaltliche Fehlübersetzung liefert. Besonders fatal: Flüssige, kohärent wirkende Sätze sind eine Spezialität der MT-Systeme. Das heisst aber noch lange nicht, dass sie inhaltlich korrekt sind. Der Leser nimmt dann falsche Fakten auf, ohne es zu merken, weil sich der Text so schön logisch liest. Gerade deshalb ist Post-Editing wichtig!

Herausforderungen für Post-Editoren: Es kostet eine professionelle Übersetzerin, die es sonst gewohnt ist, nur die elegantesten Formulierungen zuzulassen, zunächst einmal Überwindung, der Maschine (bis zu einem gewissen Grad) zu vertrauen. Aber der Kunde möchte ja Zeit und Ressourcen sparen, und darum kann man nicht alles neu formulieren, selbst wenn es einen noch so sehr in den Fingern juckt. Ausnahme: Wenn ein maschinell übersetztes Dokument als wichtige Publikation veröffentlicht werden soll. Dann muss die Post-Editorin tatsächlich stärker eingreifen, vor allem in Bezug auf Kundenterminologie und Stil.

Trainingsrunde

Der Theorie folgt die Praxis mit einem Training, also spezifischen Übungen für die Sprachrichtungen Deutsch–Italienisch, Deutsch–Französisch, Deutsch–Englisch. Mit dabei sind Mitglieder aus allen Diction-Sprachenteams, die individuelle Fälle bearbeiten. Denn die Herausforderungen variieren mit den konkreten Sprachen! Nach den Übungen werden die Beispiele mit dem Trainer ausführlich durchgesprochen und analysiert.

Also! Die Maschinen sind unter uns, ja, aber keine Panik! Gerade in der Coronakrise und auch noch lange danach (vielleicht für immer) nützen sie uns durch Zeit- und Ressourceneinsparung, durch digitale Kommunikation und durch vieles mehr. Jedenfalls solange schlaue Menschen mit im Spiel sind. Wir freuen uns definitiv auf mehr Post-Editing, nicht auf mehr Post-Apokalypse.

Wie ist es zur Zusammenarbeit beim Intensivtraining Post-Editing gekommen?

Wir kennen Diction schon lange – nicht zuletzt wegen der Stipendien für unsere Studierenden. Zudem hat Diction einen sehr guten Ruf in der Branche, und immer wieder kommen unsere Absolventinnen und Absolventen bei Diction unter. Wir finden es gut, dass das Unternehmen offen ist für neue Prozesse und Werkzeuge und seine Mitarbeitenden in Bezug auf diese Entwicklungen auch fortbildet. Genau wie wir will Diction die Zukunft des Übersetzens aktiv mitgestalten und nicht nur passiv reagieren. Dr. Martin Kappus, Dozent, ZHAW

Wenn Sie mehr über unser zertifiziertes Angebot zum Post-Editing erfahren möchten, lesen Sie hier mehr.

Das könnte Sie auch interessieren

10 Tipps: Tippfehler und Rechtschreibfehler vermeiden

Ja, Rechtschreibfehler vermeiden oder ausmerzen, wie schafft man das am besten? Flüchtigkeits- oder Unwissenheitsfehler passieren uns allen. Aber peinlich oder ärgerlich können sie trotzdem werden – wenn die Chefin im Brief noch Buchstabendreher findet oder wenn ein Kunde uns auf ein doppeltes Wort im Newsletter aufmerksam macht. Was sind typische Fehler? Um Fehler zu vermeiden,…

Weiterlesen

Supply-Chain-Management im Markt der Sprachdienstleister

Im Magazin Nr. 7 gibt es spannendes Interview mit dem Diction-CEO Patrick Fassbender zum Thema Supply-Chain-Management, Prozessautomatisierung und vieles mehr in der Übersetzungsbranche Lesen Sie hier den Artikel noch einmal als Blog. Kettenreaktionen: Supply-Chain-Management, Automatisierung, rasante Märkte, neue Technologien? Kommt man da als Übersetzungsagentur eigentlich noch mit? Sind wir nicht einfach Kreativwesen, die Bleistift kauend aus dem…

Weiterlesen

Übersetzung Halbjahresbericht: Warum, mit wem, wie?

Übersetzung Halbjahresbericht – ist das überhaupt nötig? Ja, denn Ihre Investoren, ganz egal, welche Sprache sie sprechen, sind für Investitionsentscheidungen auf die Halb- (und Ganzjahres)berichte angewiesen. Auch wenn ein Halbjahresbericht in aller Regel nicht das gleiche Mass an Komplexität mit sich bringt wie der Jahresbericht: Er ist und bleibt ein wichtiges Projekt für Sie und…

Weiterlesen